Eckdaten
Kategorie:
Abenteuer + Berichte
Ort:
-
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Beschreibung:
Massenbewegung
Ein Alpencross, Massenbewegung und Saisonhöhepunkt für viele, soll endlich auch in meinem Fahrtenbuch stehen. Nach einigem hin und her bleiben zum gewünschten Termin Anfang Juli nur noch Werner und ich übrig und nach einigem Überlegen beschließen wir, die zwar kurze aber interessant klingende Tour von St.Anton nach Posciavo zu fahren.
Tag 1:
Der Wetterbericht ist nicht sehr viel versprechend aber was solls. Werner hat seinen letzten Schultag, ich soll ihn um 10.30 Uhr abholen. Um 11.30 Uhr hetzt unser Lehrer um die Ecke, etwas abgestresst, da er noch eine Konferenz hatte; na ja, da war der wohl auch nur noch physisch anwesend. Also mit Verspätung los zum Arlbergpass, mit im Auto sind noch Frau und Kind, das Auto müssten wir sonst nach dem Alpencross extra wieder holen. Ein kurzer Abschied, die Kleine ist gar nicht glücklich, dass ich schon wieder ein paar Tage weg bin, Bussi, Bussi und das Abenteuer kann beginnen.
Erst um 13.00 Uhr gestartet müssen wir uns tummeln, um die heutige Etappe unter Dach und Fach zu bringen. Das Wetter ist überraschend gut und die Landschaft toll, wie wir von früheren Touren über das Silbertaler Winterjöchle bestens wissen. Durchs Verwalltal, vorbei an der Konstanzer Hütte geht es bald schiebend zur Heilbronner Hütte. Eine Rast ist nicht drin, also weiter über das Zeinisjoch und dann nach Ischgl, das im Sommer ziemlich hässlich wirkt. Jetzt ist aber doch eine Pause angesagt, bevor wir die unangenehme Rampe in Angriff nehmen, die es auf dem Weg zur Bodenalpe heute noch zu überwinden gilt. Um 19.00 Uhr ist das erste Etappenziel geschafft, es ist mittlerweile unlustig kalt und ich hatte in der fürchterlichen Rampe auch noch einen fürchterlichen Einbruch, musste wohl oder übel ein Stück laufen und bin jetzt nicht gerade in Hochstimmung.
Das ändert sich schlagartig, als wir das vorab bestellte Zimmer betreten und uns wohlige Wärme von der eingeschalteten Heizung entgegenschlägt; die ausgiebige Dusche tut das ihre zum wieder gewonnenen Wohlbefinden bei. In der Gaststube sitzen wir mit ein paar Einheimischen am Tisch, laben und unterhalten uns köstlich und sind vollauf zufrieden mit uns und der Welt. Da die Bodenalpe wohl keine Tributzahlung an den Autor eines bekannten Transalp Buches geleistet haben dürfte, ist diese auch nicht in der zugehörigen Beschreibung erwähnt. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass wir die einzigen Alpencrosser sind, die heute hier Quartier bezogen haben, uns solls egal sein, Hauptsache das Essen ist warm und gut, das Bier kalt und das Bett bequem, die Bodenalpe hat diesbezüglich alle Anforderungen bestens erfüllt.
Tag 2:
Ein Blick aus dem Fenster bestätigt was wir ahnen, es regnet leicht. Ein kurzes Frühstück und schon sitzen wir im Sattel, der Heidelberger Hütte entgegen, wo wir nach kurzer Auffahrt auf einen Tee Schutz vor dem stärker gewordenen Regen suchen. Die Preise bestätigen uns im Nachhinein, dass wir gestern mit der Quartierwahl gut getan haben, das Matratzenlager ist hier etwas teurer als unser beheiztes Zimmer mit Dusche.
Weiter. Es regnet jetzt stärker, der eisige Wind ist nicht sehr angenehm. Wir schlüpfen in unsere Pellerinen, die in punkto Belüftung und Komfort jede noch so atmungsaktive und wasserdichte hochleistungs Regenjacke haushoch schlagen, und machen uns an die Schiebepassage zum Fimberpass. So wie wir aussehen, könnte man meinen, es handle sich um einen Ausflug von Gartenzwergen ins Gebirge. Irrwitzig ist, dass die Kulisse selbst jetzt, wo uns eiskalter Wind den Schneeregen entgegenpeitscht, von einer atemberaubenden Schönheit ist.
Schnell sind wir auf der Passhöhe, ein paar Fotos gemacht, Sattel runter und ab in den Trail, der als einer der schönsten der Alpen gilt. Ganz oben können wir ein paar Meter schlicht nicht fahren, der Rest rutscht sich toll hinunter, wenngleich die montierten Comp S light mit angedeutetem Profil vielleicht nicht das Optimum schlechthin sind. Aber ich habe je einwenig den Gewichtswahn, ob sich das mal ändert? Einen Augenblick, wirklich nur einen ganz kleinen, nicht richtig konzentriert und schon überschlägt es mich in der unwirtlichen Steinwüste, die urplötzlich ihre Zähne vor mir fletscht. Ein paar Rumpler, das Rad landet wenigstens weich, auf meinem Rücken und Kopf halt. Nicht verzagen, so schnell lass ich mich nicht unterkriegen, nix kaputt an Körper und Rad also wieder aufgestiegen und weiterrubbeln. Allzu viel können die Bremsen nicht ausrichten also lasse ich dem Rad möglichst seinen Willen, Werner übrigens ebenso. Der bleibt natürlich auch nicht ungeschoren und will wohl eine imaginäre Jury überzeugen, dass er den Salto auch kann. Es zeigt sich er kann, und wie. Aber auch nix passiert, wir haben Glück, denn hier oben, bei dem Sauweter, ist fast das Ende der Welt. Das kleine Gewässer, das wir auf Besorgnis erregenden Holzbohlen mit erheblicher Schlagseite überqueren ist der Inn; na ja alles fängt klein an.
Nachdem wir diesen selbst bei Regen herrlichen Trail hinter uns haben rauschen wir erst auf einer Forststraße Richtung Zuort und biegen
gemäß Anweisung im Roadbook in einen Trail nach Sinistra ab. Irgendwo haben wir uns da wohl verhauen, das Roadbook zu allem Überfluss zwischenzeitlich verloren und im Endeffekt schieben wir schließlich eine Stunde aus einem tiefen Tobel nach Vent; das hätten wir auch wesentlich einfacher haben können. Nicht gejammert sondern weitergefahren bis Scuol, der Regen hat aufgehört und wieder leichter bekleidet machen wir uns auf den letzten Anstieg für heute, der uns nach S´charl führt; jetzt hat zur Abwechslung Werner einen Einbruch, es steht eins beide. Wir staunen nicht schlecht als wir erkennen, dass auf diesem Forstweg Linienbusse der Schweizer Post verkehren, ordentlich sind sie, die Erfinder des Ricola.
In S´charl erwartet uns nicht nur eine Überraschung. Ob wir das Matratzenlager mit Halbpension möchten, werden wir gefragt, Aufpreis 20 Franken. Eh klar, was solls, denken wir uns. Im Matratzenlager haben wir eine Kammer für 10 Personen alleine für uns, es sind echt keine Alpencrosser unterwegs, wie wir auch später beim Abendessen vom Wirt erkärt bekommen. Kaum Quartier bezogen wird uns angeboten, die verschlammten Klamotten zu waschen und zu trocken, ist im Übernachtungspreis inklusive. Freudig belämmert nehmen wir das Angebot dankend an. Das Abendessen für die paar lächerlichen Stützli entpuppt sich als für ein Haubenlokal würdiges 5 Gang Menü! Wow! In unseren Enthusiasmus vernichten wir dafür Wein und Grappa für 120 Fränkli, was den Wirt sichtlich freut und uns am nächsten Tag ein wenig langsamer lostreten lässt..
Tag 3:
Etwas verkatert sitzen wir trotzdem gut gelaunt am Frühstückstisch, da sich Kaiserwetter mit strahlend blauem Himmel eingestellt hat. Dafür beginnt die erste Etappe zun Passo Costainas etwas zäher als gewohnt. Der Naturpark, den wir durchqueren ist unendlich schön, am Wegrand finden sich immer wieder mal Feuerstellen zum Grillen und selbst gespaltenes Feuerholz liegt fein säuberlich gestapelt bereit. Der Passo Costainas ist voll fahrbar, wie angekündigt, was uns natürlich auch freut.
Runter nach Lü, weiter runter ins Tal, ein paar Kilometer auf einer Motorrad Rennstrecke, sicherlich der gefährlichste Teil der Tour, und dann wieder auf einem friedlichen Forstweg Richtung Val Mora. Wieder berauscht die Kulisse und auf einer sonnigen Wiese gönnen wir uns ein Nickerchen, bis wir von neugierig um uns herumstehenden Pferden geweckt werden. Also weiter bis zum höchsten Punkt für heute und zum Passo Mora, dann auf einem supertollen Singletrail bis zum Lago di Fraele, wo wir schon um 15.00 Uhr ankommen und unglücklicherweise im Rifugio Val Fraele unsere reservierte Unterkunft beziehen. Daß dieses Rifugio im Stanciu empfohlen ist, grenzt an Hochverrat an der Bikergemeinde an und für sich. Wirtsleut, für die „Grantscherben“ noch ein Kompliment wäre, das Zimmer eisig kalt, das Duschwasser maximal lauwarm und ein Essen, das diesen Ausdruck auch kaum verdient. Dass wir gerne ab 06.30 Frühstücken möchten um am nächsten Tag zu Mittag die Rhätische nach Hause zu erwischen, lässt die Wirtsleut ebenfalls völlig unbeeindruckt, vor 08.00 Uhr geht nix. Schwamm drüber, am besten einfach nur vergessen, so zum vergessen wars.
Tag 4:
Auf und weg, so schnell wie möglich. Erst am linken Ufer bis zum Ende des Stausees und dann, nach kurzer Abfahrt, geht’s auf einem herrlichen Hochplateau fast 30 Kilometer bretteleben bis nach Arnoga, die Kilometer sausen nur so dahin. Von Arnoga aus, hier hätten wir wohl besser übernachten können, nehmen wir die letzten paar Höhenmeter in Angriff, die uns auf den Passo Val Viola führen. Der Weg wird oben schließlich immer schwieriger zu fahren und die letzen Meter nehme ich zu Fuß, während Werner einen Beweis im Durchbeißen antritt; wir sind aber gleich schnell oben.
Noch einmal die Aussicht genießen, immerhin sind wir fast auf 2500 Meter. Und dann heißt es erstmal, das Bike ein paar hundert Höhenmeter nach unten tragen, bevor wir wieder auf einen fahrbaren und amüsanten Trail gelangen. Irgendwie finden wir immer wieder einen fordernden Anschlußtrail, bis wir dann so gegen 11.00 Uhr in Posciavo eintreffen. Die Tour ist geschafft und als erstes gönnen wir uns in der Bahnhofsreste ein großes Weizen und etwas anständiges zwischen die Zähne.
Knapp nach Mittag sitzen wir glücklich und etwas verschwitzt und abgeschunden in der legendären Rhätischen Eisenbahn, die uns in gemächlichem Tempo mit in engen Kurvenradien heftig quietschenden Rädern durch eine der schönsten Alpenlandschaften überhaupt bis nach Chur bringt. Umsteigen und weiter bis nach Buchs, wo wir ein letztes Mal umsteigen und mit dem Pendlerzug die paar Kilometer bis zur Tisner Haltestelle zurücklegen.
Zum Abendessen bin ich frisch geduscht und in sauberen Klamotten bei meinen Frauenzimmern, den Kopf so voller Eindrücke, dass meine Schilderung des Erlebten wohl etwas einsilbig verlaufen ist. Und Irgendwann fahre ich wieder einen Alpencross, da bin ich mir sicher.
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