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Aktivität/Service

Innsbruck Nordpark . Österreich . Tirol . Innsbruck

Autor

Julius

Julius

6800 Vorarlberg
Österreich

Eckdaten

Kategorie: Abenteuer + Berichte
Ort: -

Bewertung:

  • Spassfaktor

Website : http://www.xitrail.com

Region:

Österreich, Tirol, Innsbruck, -

Google Map:

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Beschreibung:

Vertrider´s Spielplatz läßt grüßen.

Nach zahlreichen Besuchen auf der Vertrider Homepage und einem Kurzen Steckbrief des Innsbrucker Nordparks im Bike - als einer der 10 gefährlichsten Trails in den Alpen – ist mein Entschluß gereift, mich dieser Herausforderung zu stellen. Da keiner meiner Freunde so richtig Lust hat mitzukommen, fahre ich halt alleine nach Innsbruck, sozusagen als Vorhut. Die Fotos auf der Vertrider Homepage sehen schauerlich aus, Vertikal Limit und Preußenschleuder sowie die Obstacles aus Holz werde ich wohl lassen müssen, der Rest schaut machbar aus, denke ich zumindest.

Nach etwas zähen 2 ½ Stunden Fahrt stehe ich vor der Seegrubenbahn, kaufe frohgemut eine Tageskarte und entschwebe schon in höhere Sphären, während ich die Fahrspur aus sicherer Höhe aufs erste taxiere. Dass die selbst von oben betrachtet ziemlich spektakulär aussieht, beunruhigt mich noch nicht wirklich. Es gibt mir auch noch nicht zu denken, dass ich an einem wunderschönen Freitag Vormittag, mitten in der Haupturlaubszeit, der einzige Biker in der Gondel bin, die Massen werden halt ein wenig später kommen.

Auf der Seegrube bläst mir ein kalter, unfreundlicher Wind entgegen. Also ziehe rasch ich meine Schienbein- und Ellbogenprotektoren an, für kleine Jungens –man könnte es auch „Angstbrünneli“ nennen- wird auch erledigt, zupfe unschlüssig an der Kleidung, Sattel ist unten, Helm nochmals festzurren, und rolle die ca. 200 Meter bis zum Einstieg des Singletrails, der, mit gelber Tafel abschreckend gekennzeichnet, nicht zu übersehen ist. Verhaltensregeln, Schwierigkeiten, alles ist in Klipp und Klar Text aufgelistet, sogar zweisprachig. Ein ! verheißt Gefahr, drei „!!!“ große Gefahr und die Empfehlung einer Besichtigung der Passage, bevor sie befahren wird. Und es sind ziemlich viele Streckenabschnitte mit „!!!“ gekennzeichnet... Jetzt stehe ich also da, der Trail bricht förmlich unter mir weg, so steil ist die Spur, und der Blick von der Seegrube schlägt sich langsam auf meine Magengrube. Das kann ja heiter werden, da muß ich dann wohl durch.

Bereits das „Starthangl“ hat es in sich, ein Fehler zwingt mich schon nach wenigen Metern zum ersten mal aus dem Sattel, wenigstens nicht gestürzt. Ein kurzes Wiesenstück erlaubt Erholung, bevor es in den „3ér Stützen Albtraum“ geht. In der Direttissima windet sich der staubtrockene, mit einem Kugellager aus losen Geröll garnierte Singletrail über Spitzkehre, eng wie Nadelöhre, und hohe Stufen, die durch die Steilheit des Geländes noch „gewinnen“, nach unten. Ich geb´s ungern zu, die 3ér Stütze kann ich nur noch teilweise fahren. Meine Moral ist heute bescheiden, ein, zwei Kollegen um die Limits zu pushen täten auch ganz gut. Meine Fat Albert Reifen sind auch eher an der Grenze, bringen die Bremspower meiner an sich groß bemessenen 210ér bzw. 180ér Scheibenbremsen nur unzulänglich auf den tückischen Untergrund. Die „Preußenschleuder“ lässt mir beim schieren Anblick das Blut in den Adern gefrieren, während ich da irgendwie runtersteige; aber das wenigstens, war ja eh schon von vornherein klar. In der „Mischwald Session“ – Mischwald klingt doch irgendwie romantisch, nicht? – machen sich erste Anzeichen einer sich einstellenden Erschöpfung bemerkbar.

Ich kämpfe währenddessen unverdrossen, wenn auch nicht besonders erfolgreich mit dem Singletrail, der sich längst vom Traum meiner schlaflosen Nächte zu einem veritablen Gegner entwickelt hat, weiter. Weiche zwecks Erholung auch mal kurz auf den immer wieder kreuzenden Chicken-Way aus, der wohl eher meinem bescheidenen Niveau entsprechen würde. Der „Lawinenkegel“ lässt sich wenigstens auch normal fahren, da rüberspringen möchte ich allerdings auch nicht; die Markierungen vom Lawinenkegel-Weitspringen liegen gefährlich nahe an der Kompression und machen deutlich, dass das Terrain weniger für Weicheier und Warmduscher wie mich gedacht ist. Wenigstens wird der folgende „Schlammtango“, aufgrund des trockenen Wetters, seinem Namen heute nicht gerecht, besonders leicht ist er auch so nicht. In die „Vertriders Choice“ wäre ich fast eingefahren, wenn nicht, im letztmöglichen Moment, fast panisch zupackenden Hände doch noch nein zu der Passage gesagt hätten; dabei war ich bisher immer der Auffassung, dass ich mit dem Gehirn, allenfalls manchmal mit einem anderen Organ, definitiv aber nicht mit den Händen denke – denkste! Bis zum „Vertical Limit“ geht’s dann wieder so la la, dort angekommen bin ich aber ehrlich erleichtert, dass ich die Stelle auf einem chicken way umfahren kann, der im Übrigen auch nicht leicht ist. Nicht, dass ich daran gedacht hätte, „Vertical Limit“ zu fahren, weit gefehlt. Ich hätte ohne Chicken Way nur beim besten Willen nicht gewusst, wie ich diese Monsterstelle lebend oder wenigstens mit, für jemanden meines Alters gebührender, Rest-Würde zu Fuß runterkommen soll; vielleicht das Bike runterschmeißen und dann … Na ja, diese Schmach, welcher Art auch immer, blieb mir ja erspart. Die weitere Strecke war soweit einigermaßen fahrbar, die Holzpartie habe ich selbstverständlich respektvoll umfahren. Und das trotz der Bitten zweier ebenso bezaubernder wie älterer Wanderinnen, die doch so gerne einmal gesehen hätten, wie jemand den „Boneshaker“ fährt. Na ja, der falsche Pilot zur falschen Zeit.

Ein paar Meter noch und ich bin entlassen, rolle das letzte Stück auf Asphalt zur Talstation der Bahn. Geschlagen, desillusioniert, im Stolz verletzt, entmutigt und auch ehrlich erschöpft, beschließe ich, es für heute gut sein zu lassen und nach Hause zu fahren. Das kommt auch einwenig daher, da ich bislang immer noch keinen einzigen Biker gesehen habe, was meinen vorübergehend verlorenen Ehrgeiz vielleicht noch einmal angestachelt hätte. Keinen Biker stimmt nicht ganz: Wie ich so mein Bike ins Auto packe, kommt doch noch einer auf einem Santa Cruz Blur daher. Als ich dem meine Tageskarte schenken will, es ist ja erst Mittag, lehnt der erschrocken ab, ich habe den Eindruck, es fehlte nicht viel und er hätte sich auch noch bekreuzigt.

Anyway, ich trolle mich nach Hause. Noch nicht ahnend, dass ich, wohl durch die nötige mentale Verarbeitung bedingt, für ein paar Tage dramatisch schlechter mit schwierigen Singletrails zurecht kommen soll, als die vorher der Fall war. Was sich allerdings auch schnell wieder geben bzw. meine persönlichen Limits in der Folge tatsächlich spürbar anheben soll.

Zwischenzeitlich sind die Wunden geleckt (ich hatte nur psychische) und die erlittenen Greuel durch die Zeit etwas verklärt. Ich komme wieder!

Nachsatz: Als ich ein paar Wochen vor meinem Nordpark-Waterloo in Hindelang war, hat es mich noch gewundert, wie die Dame am Lift erzählt hat, es kämen auch viele Biker aus InnsbruckIch; näher hinterfragt habe ich diese Information allerdings nicht. Jetzt ist mir allerdings schon klar, wieso dem so ist.

Fazit: Ein nur 4,2 Kilometer langer, 1030 Höhenmeter vernichtender Höllentrip, 40° bis 25° Gefälle, mit S-2 bis S-4 recht hart bewertet. Komplett durchfahren werden wohl nur Auserwählte können, alle anderen lernen Demut. Alleine würde ich das im übrigen nicht mehr in Angriff nehmen. Davon abgesehen ist diese Strecke für Singletrail Fans jedenfalls einen Besuch wert, und sei es nur, um sein eigenes Fahrkönnen in die richtigen Relationen setzten zu können.

Nähere Infos unter Links... -> Nordpark

WEITERE GENIALE BILDER UNTER: http://www.xitrail.com


 
 

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