Eckdaten
Kategorie:
Abenteuer + Berichte
Höhe:
2820 m
Ort:
-
Bewertung:
weitere Informationen
Beschreibung:
Anstrengung = Eine von der richtigen Seite betrachtete Strapaze. Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), engl. Kriminalschriftsteller
Nun ja, das mag zutreffen. Jedenfalls beschreibt das unsere letzte "Große Tour", die uns 26.10.06 noch bis zu unserem Ziel, auf eine Höhe von exakt 2820 m über Meeresspiegel geführt hat, recht passabel. Vorausgesetzt man betrachtet es als Strapaze, das Bike 1.400 Höhenmeter durch steilstes und schwieriges Gelände hinaufzutragen.
Der Vortag: Mehrere Telefonate mit Vertrider Papa Christoph Malin, er kommt mit Georgy Groger ins Ländle, eine Tour der heftigeren Sorte steht an. Weitere Telefonate, ein paar von unserem "harten Kern" wollen sich das nicht entgehen lassen... Schließlich ist fix, daß außer Udo und mir noch Gerd und Ralf Ralf mitkommen.
Nationalfeiertag: Wir trudeln so gegen 08.30 in Latschau ein, bauen die Bikes zusammen und sind von einer gewissen inneren Unruhe getrieben. Die kommt nicht daher, daß der Präsident der Nation heute eine Rede zur Lage der Nation halten wird. Uns plagen eher höhere Ziele. Gegenseitiges "Hallo I bin der..." da sich nicht alle oder anders gesagt jeder in der Runde jeweils nicht mit allen anderen bekannt sind. Georgy erweist sich spontan als würdig für die Italienische Staatsbürgerschaft, flickt seine Gustl mehr irgendwie als ordentlich an den dazugehörigen Adapter: "wird schon halten". Rucksackgepacke, auflockerndes Blödgerede, Kartengelöse und pfauenhaftes Parkplatzgepose werden rituell vollzogen, bevor wir alle gemächlich gen Golm entschweben.
Die Ruhe bleibt an der Bergstation zurück. Mit Höllentempo rasen wir über epische Trails zur Lindauer, zumindest mein Puls rast, und nach exakt einer Stunde stehen wir am vorerst tiefsten Punkt der nächsten paar Stunden. Vor uns ein Monster, die Sulzfluh und ihr Rachen, den wir jetzt allerdings noch nicht sehen können - das Leben ist manchmal auch gnädig!
Ein par Meter flacher und freundlich und schon beginnen die ersten Kraxeleien über Latschen gesäumte Felsbarrieren - mit dem Rad auf den Schultern nicht unbedingt freundlich. Rücken und Schultern beginnen schon bei der Vorstellung daran zu schmerzen, daß wir das Bike für die nächsten 1.200 hm ununterbrochen ebendort "parken" werden. Trotzdem sind die ersten Rampen schnell überwunden und schnell sind wir bei der Abzweigung zum neuen Klettersteig, wir nähern uns dem Rachen. Oder vielleicht nähert sich der Rachen auch uns, alles ist relativ. Eine kurze Pause gibt manchen Kraft und anderen, mir zum Beispiel, wenigstens die Illusion davon.
Der Rachen ist eine Superlative für sich, der Name sagt viel über dessen Charakter aus. Ultrasteil, schroff und mit fiesen Geröllfeldern durchsetzt. Fallböen bis zu geschätzten 60, vielleicht 70 km/h, die uns ins Gesicht peitschen, machen den Leidensweg nicht leichter, zerren nach unten, stellen sich uns vehement entgegen. Der Rachen ist kein Spaziergang, will hart erkämpft werden. Nach insgesamt 3 Stunden verlassen wir den Schlund und stehen mitten im Karst, unter dem Gipfel der Sulzfluh.
Für mich beginnt mein Waterloo. Bereits beim Einstieg in den Rachen auftretende Magenschmerzen haben mich lange genug zermürbt und ich beschließe, auf den 300 Meter höher liegenden Gipfel zu verzichten. Georgy versucht mich noch für den letzten Anstieg zu ermutigen, aber ich will ja noch mit etwas Restwürde wieder da runterkommen.
Keine Stunde später stehen alle anderen von uns auf dem Gipfel, während ich mir im ständigen kalten Wind den Arsch abfriere. Dafür komme ich sukzessive wieder einigermaßen in Form. Keine 1 1/2 Stunden nach unserer Trennung trefen wir wieder zusammen und genießen gemeinsam den weißen Kalk der Sulzfluh. Ein Ritt über meist blanken Fels, wie in Trance zurückgelagt, führt uns zur Tilisuna Hütte und bereitet allen unvorstellbare Wonnen. Ein Opiumrausch ohne Opium!
Der Rest, ein Supertrail von der Tilisunahütte bis nach Latschau, der unsere müden Körper noch einmal richtig herausfordert und trotzdem, neben dem zuvor Erlebten doch fast verblaßt. Zu Unrecht übrigens, im "Normalfall" ebenfalls ein Fall für Schwärmereien.
Danach: Vielleicht das beste Weizenbier, das ich jemals getrunken habe. Und eine Runde, wegen unerlaubtem Entfernen von der Truppe - oder wie das halt heißt - habe ich selbstverständlich gerne allen Anwesenden zuteil werden lassen. Zwei von uns waren leider durch GPS-Suche bzw. Schwangerschaftsturnen verhindert.
Fazit: Im Anstieg unendlich strapaziös, steil und mit dem Bike, objektiv betrachtet, wohl auch unvernünftig. Endlich oben, im Karst, entlohnt eine unendlich schöne Landschaft. Und die Abfahrt schließlich ist nicht nur ein Trail, sondern schon eher eine spirituelle Erfahrung.
WEITERE GENIALE BILDER UNTER: http://www.xitrail.com
Umliegende Touren:
Umliegende Aktivitäten:
- Color Box
- IBC Woche Steinach
- Heat - Gedankensplitter
- Silvester 2006 - still riding...
- Klangwolken
- mehr