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Aktivität/Service

Volcanobiken - La Palma . Spain . - . -

Autor

Julius

Julius

6800 Vorarlberg
Österreich

Eckdaten

Kategorie: Abenteuer + Berichte
Ort: -

Bewertung:

  • Spassfaktor

Website : http://www.xitrail.com

Region:

Spain, -, -, -

Google Map:

weitere Informationen

Beschreibung:

I always come back.

Die Sirenen haben mich schon wieder auf die Isla Bonita gezogen. Wieso eigentlich immer wieder La Palma? Ich weiß es selber nicht, ist halt so, schon zum fünften Mal. Was sich geändert hat, ist das Sportequipenment, da mittlerweile das Bike den Gleitschirm abgelöst hat.

Es ist 15.00 Uhr, mit Rad, Gepäck, Kind und Frau im gemieteten Berlingo tuckere ich bei leichtem Regen in Richtung Tunnel und staune nicht schlecht, als es bis nach La Laguna hinunter abweisend regnet. In Puerto Naos, wo wir wohnen, ist es aber wie gewohnt sonnig. Und sogar ein Dutzend Paragleiter schrubben unverdrossen die Kante oberhalb des Ortes entlang, was die Laune schlagartig hebt, die an mir klebende Hektik der vergangenen Tage aber noch nicht lösen kann. Appartement beziehen, Koffer schleppen, Bike zusammen schrauben, eine quängelnde Kassandra bei Laune halten, Kästen einräumen, Einkauf, nochmals Koffer schleppen für die nicht mehr so jungen Nachbarn, die auch gerade Quartier beziehen, Zweitschlüssel besorgen, ….endlich eine Cerveza.

Um 20.00 Uhr ist Treffen bei Ottes Bikestation, ich bin pünktlich und damit prompt der letzte von insgesamt 11 Teilenehmern der „Singletrailwoche“. Kenne, außer Ottes, niemanden und bin ja mal gespannt was da auf mich zukommt. Die Leute wirken sympatisch, ist ja schon mal was. Kurze Lagebesprechung, die Tour für morgen wird fixiert und von Ottes gibt es auch noch das Angebot, die vorhandenen Protektoren nutzen zu können.

Freitag, 25.11.2005, 10.00:
Die Bikes werden auf den Hänger verladen, hoch shuttlen nach San Nicolas. Von dort aus starten wir unsere Einrollrunde durch Kiefernwälder und über Lavaströme - erkaltete natürlich- über El Pilar bis nach Fuencaliente, das neuerdings auch Los Canarios heißt, was einen Orientierung suchenden Inselneuling auch schon mal etwas aus der Fassung bringen mag. Tolle Landschaft, am ostseitigen Kulminationspunkt neblig, windig und echt saukalt. Neben Naturpisten fahren wir auch ein paar nette Trails aber nix, das mich aus den Socken haut. Na ja, ist auch Ottes erstes Abtasten der Teilnehmer. Dafür ist mein Puls ständig an der Explosionsgrenze, ich habe wohl einen kleinen Infekt als Souvenier von zu Hause mitgebracht, schnaube wie ein Schlachtross und kann bergauf nur leiden, bullshit! In Fuencaliente gönnen wir uns eine Einkehr, Cortado Condensata, unvermeidliche Mandelplätzchen und erste gemütlichere Gespräche in einer Gruppe, die erst noch zu einem Team werden sollte. Zum Abschluß stehen uns noch ein paar Höhenmeter über die Hochebene bis nach Jedey und eine rasante Asphaltabfahrt nach Puerto Naos bevor. Am Ziel erstmal eine Cerveza und ein netter Hock mit den meisten der insgesamt recht geselligen Truppe. Nach einer Einrolletappe mit knapp 1400 Höhenmetern und eher weniger spektakulären Trails bin ich allerdings noch etwas skeptisch ob mir diese Singletrailwoche meine Vorstellungen und Wünsche wohl erfüllen wird.

Samstag, 26.11.2005, 10.00:
Räder verladen und hochkarren bis El Pilar, aussteigen, frieren, anziehen und los bis zum Refugio, dann weiter auf die Ostseite der Insel. Piste rauf, Trail rauf, Trail runter. Sandtrails, Kiefernwälder mit trügerischer Kiefernnadelauflage, Wurzeln, ein paar Tragepassagen, eher schnelle als technische Trails und eine Zick Zack Routenführung von Ottes, die ich rückblickend nicht mehr ganz zusammenbringe. Irgendwie in der Gegend von Las Manchas, wenn ich nicht irre. Nachdem sich Gestern einige die Waden und Schienbeine an dem scharfkantigen Lavagestein blutig geschlagen haben, tragen heute die meisten reumütig die angebotenen Protektoren. Es zeigt sich, dass wir wirklich ein sehr bunter Haufen sind, Kondition haben alle und auch die Freude an schönen Trails greift seuchenhaft um sich. Die Gruppe hat gute Laune, den einen oder die andere möbelt es zwar ganz nett auf aber es passiert zum Glück nichts. Die Bezeichnung Singletrail Woche beginnt, ihrem Namen gerecht zu werden.

Sonntag, 27.11.2005, 09.30:
Das Morgenritual wiederholt sich und heute shuttlen wir nach Tijarafe um zum Aussichtspunkt Torre el Time hoch zu strampeln. Asphalt und Piste denke ich noch, als Ottes unvermittelt einen Haken nach links in einen Handtuch breiten Trail schlägt, den jeder übersehen muss, der kein absoluter Insider ist. Technisch schwierig (aufwärts) und nicht immer fahrbar führt das Pfädlein nach oben, hoppelt mal runter und bringt die Lungen in steilen Rampen fast zum zerplatzen. Macht schön Spass, zumal ich wieder fit bin. Wir durchqueren mehr als einen Barranca, zirkeln über ausgesetzte Querungen mit superben Aus- und Einblicken in eine der urwüchsigsten Landschaften, die ich kenne und gelangen schließlich über ein paar abschließende Pisten zum El Time, einem spektakulären Aussichtspunkt am hier fast senkrechten Kraterrand der Caldera. Eine kurze Rast, Blicke in die Tiefe und ab geht’s in Richtung Puerto de Tazacorte. Erst ein paar Meter auf Piste doch bald schon auf immer heftigeren und spektakulär schönen Trails; einige davon fahren allerdings nur Bernd und ich. Technisch zwar nicht extrem schwierig, S-2 bis S-3 allerdings schon, haben es die Trails trotzdem in sich und gehen mir ganz schön in die Knochen, bis wir in Tazacorte ankommen. Nicht von ungefähr, denn alleine das letzte Teilstück, das oberhalb des Mirrador El Time beginnt, bietet schon 650 Höhenmeter Trail auf kürzeste Distanz. Wer unten vor der Steilwand steht, glaubt kaum, dass fast in der Diretissima ein Weg herunterführt. In Puerto de Tazacorte stoßen Bernd und ich recht zufrieden mit Gott und der Welt aber auch Ottes erst einmal auf ein Bierchen an. Tut sau gut! Zum Abschluß heißt es dann noch einmal 300 Höhenmeter auf Asphalt hochkurbeln, was einige zu einem kleinen Kräftemessen nutzten….die Nationenwertung geht an die Schweiz.
Heute war eine Traumtour erster Güte und ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten mal den vollen Holy-Trail vom Roque de Los Muchachos bis nach Puerto de Tazacorte zu fahren, das wären dann epische 35 Kilometer von 2500 auf 0 Höhenmeter, eine schier unerschöpfliche Adrenalin-Quelle. Daniel und Philipp bieten das guided an. Sind den Trail vor einer Woche mit Marco Toniolo gefahren, sodaß sich sicher irgendwann ein Artikel mit tollen Fotos im Bike finden sollte.

Montag, 28.11.2005
Ruhetag. Wir hätten eh nicht fahren können, da der tropische Wirbelsturm Delta über die Insel zieht und auch so manche Verwüstung anrichtet. Ein Naturschauspiel, das mir die Nackenhaare austehen lässt, obwohl die Windgeschwindigkeiten noch recht "harmlos" waren.

Dienstag, 29.11.2005
Als ich heute um 9.30 besonders früh bei der Bikestation ankomme, warten schon einige frustriert, da es anscheinend um 09.00 losgehen sollte. In unserer Gruppe war aber die vorherrschende Meinung, dass 10.00 die vereinbarte Zeit sei und so dauert es noch, bis auch die Letzten eintrudeln. Also rasch die restlichen Räder auf den Hänger und mit einstündiger Verspätung los nach El Pilar. Wir kurbeln auf bekanntem Terrain zur Cumbre hoch und pirschen uns von der Ostseite an den Vulkankegel des San Juan (vielleicht war es aber auch ein anderer) um auf schönen Trails bis zu den Lavadünen Llano de Jable abzufahren. Das tückische bei diesen Vulkan Trails ist, dass selbst recht große Steine ziemlich leicht sind und die Abfahrt öfters mal zu einem recht haltlosen Unterfangen gerät. Bei den Lavadünen angekommen, nützen wir die Gelegenheit, mit Ottes Hilfe etwas an der jeweiligen Fahrtechnik zu feilen, was in der surreal anmutenden Landschaft besonders viel Spass bereitet. Danach nehmen es die einen etwas gemächlicher, während wir in einer Kleinstgruppe über ruppigere Sand- und Waldtrails dem Tal entgegenbrausen. Irgendwie wird das Tempo immer schneller, anfangs kleine Sprünge werden allmählich zu ein wenig größeren, der manchmal tiefe Sand provoziert so manchen verwegen aussehenden Schlenker und mit jedem Meter nimmt die kindliche Freude noch mehr zu. Weiter unten führt uns eine sehr ruppige Piste Richtung Jedey, wo wir noch einen Schlenker einbauen, der uns einen weiteren Traumtrail beschert, der in flowigem Auf und Ab einen Lavastrom quert. In Jedey münden wir, oh Schreck, wieder auf die normale Straße, die uns heute durch die Bananenplantagen nach Puerto Naos zurückbringt. Wieder eine tolle Top Tour und in unserer kleinen Bikegruppe haben mittlerweile alle so ein eigentümliches Glänzen in den Augen, wenn das Wort Singletrail erwähnt wird. Vielleicht so eine Art Fieber? Am Abend kurieren wir uns im Bodegon in San Nicolas gemeinsam mit gutem Essen und palmerischen Wein aus.

Mittwoch, 30.11.2005
Die letzte Tour der gebuchten Woche beginnt wie immer, wir shuttlen Richtung El Pilar, kurbeln bergan und auf dem Hauptkamm der Cumbre Nueva biegen wir diesmal nach links ab und folgen diesem ein längeres Stück, bis der Weg in Richtung der Kapelle Ermita Virgen del Pino abbiegt. Dieser Abzweig, der in steilen und felsigen Serpentinen, hinter denen sich der Horizont im Abgrund verliert, abwärts führt, beschert uns nicht nur höchsten Trail Genuß sondern darüber hinaus spektakuläre Fotomotive. Schade nur, dass das Vergnügen nicht den ganzen Tag so weitergehen kann. Von der Kapelle aus fahren wir ein Stück auf Asphalt in Richtung el Paso um uns wieder nach El Pilar hochzuarbeiten, von wo aus wir wieder einige tolle Trails unter die Stollen nehmen um schließlich und endlich die Tourenwoche am Ausgangspunkt, bei Ottes Bikestation zu beenden.
Am Ende sind sich alle Teilnehmer einig, dass die Woche ein würdiges Highlight zum Abschluß der Saison 2005 darstellt. Morgen geht es für die meisten wieder nach Hause, mit im Gepäck die Erinnerung an eine klasse Singletrail Woche voll Sonne und Wonne statt heimischen Nebels.

Freitag, 2.12.2005
Bernd und Urli sind den letzten Tag hier und wir wollen noch einmal eine gemeinsame Tour fahren,; als kleines 3-er Team sind wir bezüglich der Routenführung sehr flexibel. Den Shuttledienst von Ottes nützen wir trotzdem gerne und so beginnt die eigentliche Tour –wieder mal- bei El Pilar. Die Aufstiegsroute ist erstmal mit der von Dienstag ident doch vom ersten Vulkankegel an folgen wir der klassischen Vulkanroute, die bis nach Fuencaliente führt. Nun wechseln tolle Trails über Vulkanflanken hinab mit recht elenden Schiebepassagen über ebensolche Flanken hoch. Irgendwann ist es dann soweit, dass wir es praktisch nur noch abwärts rauschen lassen. Dabei ist der Sand anfangs so tief, dass volle Fahrt angesagt ist, um genügend Auftrieb für das Vorderrad zu erzeugen, was Assoziationen an eine schöne Schiabfahrt im Pulverschnee hervorruft. Die Begrenzungen des Weges aus dicken Steinbrocken lassen uns das Tempo allerdings in Grenzen halten, trotz aller aufkommenden Euphorie. Endlich wechselt das Terrain auf verschlungene aber flüssig zu fahrende Pfade in lauschigen Kiefernwäldern, allein, die Trails sind mehr verblockt und ruppig als lauschig, was uns aber durchaus recht so ist. Etwas unvermittelt stehen wir an einer Wegekreuzung in das Hochtal nach Jedey und nur unwillig nehmen wir von den palmerischen Volcan-Trails Abschied, um auf Pisten und schließlich durch auf rumpeligen Asphaltsträßchen durch die Bananen den restlichen Nachhauseweg abzustrampeln. In Puerto Naos beim Bierchen sind wir der einhelligen Ansicht, dass das die absolut beste Tour, das Highlight schlechthin, in einer Woche der gemeinsamen Suche nach unserem Gral, dem Holy Trail war.

Den Rest des Urlaubs habe ich mich vom Bike ferngehalten, um mit meinen zwei Frauen zu faulenzen, ein wenig zu wandern und Gott einen lieben Mann sein zu lassen. Die Versuchung hat mich zwar ereilt, wenn ich immer wieder mal Daniel Schäfer, Philipp Foltz oder auch Holger Mayer über den Weg gelaufen bin. Habe dann die Träume der Bikewelt 2006 beäugt, von denen BIKE gleich 27 Stück am testen war, sich ankündigende Schwächeanfälle bravorös überwunden, meinen triefenden Geifer weg gewischt und mir gesagt, dass es ein nächstes Mal Biken in La Palma geben wird.

Fazit: Eine auch landschaftlich supertolle Tourenwoche mit Schwerpunkt auf schönen Singletrails. Blessuren hatten die meisten Teilnehmer, von ernsten Verletzungen blieben alle verschont. Einige Materialschäden waren zu beklagen, zahlreiche Platten, ein Mantel aufgeschlitzt, ein Freilauf zerstört, ein Schaltwerk zerstört, selber keine Schäden aber einen fast neuen Satz Bremsbeläge vernichtet. Der Tropensturm Delta hat uns die Tourenvielfalt ein wenig eingeschränkt, da mehrere Wege nach dem Sturm gesperrt waren; das war zwar schade aber nicht wirklichn ein Problem. Die optional erhältlichen Leihbikes (Scott Genius und Nitrous) waren in bestem Zustand und die Organisation war von deutscher Gründlichkeit. Ottes Qualitäten als Guide sind sehr gut und das für das Back Office wird von Chris bestens geschaukelt.

La Palma Facts:
Beste Reisezeit: ganzjährig, im Winter eher nur Westseite
Tourenangebot: sehr groß; guided ist besser, da zusätzliches hoch shuttlen oft sinnvoll
Mein Ausgangsort: Puerto Naos
Wohnen: am besten in einem der zahlreichen Appartementes
Bikestation von Ottes (Puerto Naos)
Freeride Angebote von Daniel und Philipp

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Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:


 
 

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